Ist die Burschenschaft wirklich 1813 gegründet worden?

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Drei Burschen beim Kerwe-Umzug

Eines der häufigsten Argumente, die man von Kritikern zu hören bekommt, ist die Tatsache, dass es Burschenschaften ja erst seit 1815 gab, da die „Deutsche Burschenschaft“, die erste studentische Burschenschaft am 12. Juni jenen Jahres in Jena gegründet hat. Wie aber schon erwähnt, handelt es sich hierbei um studentische Burschenschaften, nicht aber um eine Vereinigung wie die Burschenschaft 1813 Bockenheim.

Ein weiteres Argument, das gegen die Gründung im Jahre 1813 spricht, ist die Tatsache, dass in dieser Zeit die Napoleonischen Kriege das Bild der Gesellschaft prägten. Es war keinerlei Grund und Anlass, ausgiebige Feste zu feiern, denn die Bewohner Bockenheims bekamen jeden Tag die Grausamkeit der Zeit zu spüren. Andauernd campierten französische, österreichische, preußische und russische Truppen vor den Toren Kleinbockenheims. Heute ist die Burschenschaft bekannt für Feste und Veranstaltungen, bei denen gefeiert werden darf und auch gefeiert wird. Die grausamen Zeiten sind längst vorbei und längst prägt ein anderes Bild die Dorfgemeinschaft. Die Wurzeln der Vereinigung dagegen, die man an vielen Bräuchen noch erahnen kann, liegen in der Erziehung der Buben zu Burschen und schlussendlich zu Männern.

Die Schwierigkeit, die Gründung zu beweisen, ist die Tatsache, dass es weder eine Gründungsurkunde gibt, noch irgendein Dokument vor 1884, welches die Vereinsgründung beweisen könnte. Der einzige Anhaltspunkt ist ein altes Protokollbuch aus dem Jahre 1884, in dem ein alter Stempelabdruck zu sehen ist, auf dem „Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813“ geschrieben steht. Natürlich lässt sich so ein Stempel leicht fälschen, aber warum sollte ein Verein im Jahre 1884, also 71 Jahre nach der Gründung, eine falsche Jahreszahl angeben? Dazu hatte die Burschenschaft außerhalb Kleinbockenheims zu wenig Bedeutung als dass dies irgendeine Relevanz hätte. Im selben Buch findet man auch eine „Aufbesserung des Schwures von 1825“. Dabei handelt es sich um den Schwur, den heute noch jeder Bursche nach seiner Burschung, also der Aufnahme in den Verein, leisten muss nachdem er die Statuten vorgelesen bekommen hat. Wenn man das Gründungsdatum also fälschen wollte, hätte man sicherlich auch den Schwur auf das Jahr 1813 datiert. Dass er auf das Jahr 1825 zurückgeht erscheint plausibel, denn die Kriege liegen 7 Jahre zurück und man hatte Zeit, eine Vereinsstruktur auszuarbeiten, zu der auch der Schwur gehört. Vermutlich wurden die Statuten auch um das Jahr 1825 etwa zeitgleich mit dem Schwur verfasst, da diese bei der Burschung in einem zusammenhängenden Kontext stehen. Leider sind weder die originalen Statuten noch der originale Schwur von 1825 erhalten. Lediglich die Erneuerungen von 1884 befinden sich noch im Vereinsarchiv.

 

  1. Die Geschichte der Burschenschaft
  2. Was ist eigentlich eine Burschenschaft?
  3. Ist die Burschenschaft wirklich 1813 gegründet worden?
  4. Der Grund der Gründung
  5. Neue Statuten, neues Glück
  6. Die neuere Geschichte

 

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