Die neuere Geschichte

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Straußweihe

Seit dem Jahr 1884 ist die Geschichte fast lückenlos bis auf einige Ausnahmen einigermaßen gut dokumentiert. Das meiste erfährt man in den Protokollbüchern, in denen von vielen Sitzungen des Vereins Protokolle angefertigt worden sind. Daneben gibt es einige Zeitungsartikel, die aufgehoben worden sind.

Im Jahre 1900 hat der damalige Zunftmeister Michael Böll, genannt „Michel“, den Hänselspruch niedergeschrieben. Dabei handelt es sich um die Ansprache, die der sogenannte Hänselrat auf der Hochzeit eines ehemaligen Burschen hält. Beim Hänseln wird ein ehemaliger Bursche aus der Gemeinschaft der Burschen verabschiedet. Dies geschieht auf dessen Hochzeit, bei der der Hänselrat, bestehend aus drei Personen, auf den Hochzeitsfeierlichkeiten unangemeldet erscheint. Die zweite Möglichkeit ist, dass ein Mädchen aus dem Dorf heiratet und ihr Bräutigam sie „auslösen“ muss. Der Hänselrat besteht aus drei Personen: Eine Person trägt den Hänselspruch vor, die zweite hält ein Tablett und die dritte Person, der „Mundschenk“ versorgt die anderen beiden bei der Hochzeit mit Getränken.

1913 stand dann ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte bevor: das 100-jährige Jubiläum. Hiervon ist noch ein Flugblatt erhalten, das die Feierlichkeiten angekündigt hat. Diese fanden am Samstag, den 28. Juni 1913 in der Wirtschaft „zum Neuhäusel“ statt. Es sang der Kleinbockenheimer Gesangverein „Frohsinn“, der sich 1968 mit dem Großbockenheimer Gesangverein „Liedertafel“ zum Gesangverein 1847 Bockenheim fusioniert hat und noch heute existiert. Außerdem spielte „die renommierte Kapelle Fuchs aus Biedesheim“. Für die Feierlichkeiten wurde von H. Silwendel extra ein „Jubiläumsfestmarsch“ komponiert. Um 9 Uhr abends fand dann ein „Lampionzug unter Musikklängen“ statt.

Dieses Jubiläum war die letzte Gelegenheit zu feiern, denn schon ein Jahr später brach der Erste Weltkrieg aus. Man dachte, dies sei das Ende der Burschenschaft, denn es kam zur ersten Unterbrechung des aktiven Vereinslebens in der Geschichte der Burschenschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden am 1. und 2. Januar 1919 jeweils Sitzungen statt. Es war damals wie heute sehr ungewöhnlich, zwei Sitzungen nacheinander abzuhalten, zumal es sich um einen Mittwoch und einen Donnerstag handelte. Diese Sitzungen waren aber keine geselligen Treffen, wie man sie heute bei der Burschenschaft kennt, sondern es wurden ernsthafte Beschlüsse gefällt über das weitergehen der alten Traditionen der Burschenschaft. Am zweiten Sitzungstag wurden drei Grundsatzentschlüsse ausgearbeitet:

  1. Dass mit aller Energie die Burschenschaft aufrecht gehalten werden muss, um so den schönen alten Brauch weiterzuführen bis in die jüngsten Zeiten.
  2. Wegen der so regen Nachfrage unserer jungen Bräute nach dem alten Hänsel-Brauche, dass ab 2. Januar alle Bräute nebst ihren lieben Bräutigams gehänselt werden.
  3. Die Aufnahme der gereiften Jugend in die Burschenschaft.“

Protokollbuch von 1919 bis 1921

In der Zeit vom 3. bis zum 18. März fanden mehrere Sitzungen pro Woche statt, in denen insgesamt 17 Burschungen auf der Tagesordnung standen. Dies zeigt die große Nachfrage nach den alten Traditionen und rettete dem Verein, der während dem Krieg pausiert hat, das Leben.

Der wohl emotionalste Tag in der Geschichte der damals Kleinbockenheimer Burschenschaft war der 4. März 1919. Man feierte eine Tanzveranstaltung in Großbockenheim. Es war einer der ersten Annäherungen zur Wiedervereinigung der seit dem 13. Jahrhundert getrennten Dörfer. Bei dieser Tanzveranstaltung war es ganz egal, aus welchem Bockenheim man kommt. Die Hauptsache war: Man feierte wieder. Diese Veranstaltung ist ein möglicher Vorgänger des „Lumpenballs“, der über lange Zeit am Faschingsdienstag gefeiert wurde. Dabei war die Kleiderordnung „Lumpen“, also alte Klamotten vorgeschrieben.

1921 Ist in Bockenheim eine neue Turnhalle gebaut worden, zu der die Burschenschaft 500 Mark gespendet hat. Eine Quittung befindet sich heute noch im Vereinsbesitz. An dieses Ereignis angelehnt spendet die Burschenschaft jedes Jahr 500€ an einen guten Zweck im Wohle der Allgemeinheit Bockenheims. So wurden zum Beispiel im Jahr 2011 neue Trikots im Wert von 500€ an die B-Jugend des TSV Bockenheim gespendet.

Im Jahr 1938 feierte man das 125-jährige Jubiläum des Vereins. Viele Vereine dieser Art wurden vom nationalsozialistischen Regime aufgelöst und in Organisationen wie die Hitlerjugend oder den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert. Da die Burschenschaft damals wie auch heute kein eingetragener Verein ist, hat sie sich jedoch im Dritten Reich erhalten können. Während des Zweiten Weltkrieges pausierte wieder das aktive Vereinsleben.

Nach dem Krieg in der französischen Besatzungszeit wurde 1946 die Kerwe verboten. Die Burschenschaft feierte aber dennoch, was fatale Folgen hatte: Die Soldaten der Besatzungsmacht schlugen das gesamte Inventar mit allen Stühlen und Tischen kurz und klein und beendeten so recht zügig die Veranstaltung.

Im Jahr 1956 wurden die beiden Dörfer Großbockenheim und Kleinbockenheim zusammengelegt. Die Burschenschaft Kleinbockenheim nahm von nun an auch Großbockenheimer in ihren Verein auf. Es folgte die Umbenennung des Vereins von „Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813“ in „Burschenschaft 1813 Bockenheim“. Man einigte sich darauf, die Bockenheimer Kerwe am Termin der Kleinbockenheimer Kerwe zu feiern. Somit wurde die Kerwetradition in Großbockenheim beendet. Das einzige, was noch erhalten wurde ist die Eigenständigkeit der Großbockenheimer Zeppler. Die Zeppler sammeln vor dem Kerweumzug von den Bockenheimer Winzern Wein zum Ausschenken ein. Es gibt heute noch die „Zepplervereinigung Großbockenheim“ und die „Zepplervereinigung Kleinbockenheim“.

Im Jahr 1963 fand wieder ein Höhepunkt statt: Die Burschenschaft feierte ihr 150-jähriges Jubiläum. Dabei wurde, ähnlich wie beim 100-jährigen Jubiläum, ein Fackelzug von der Gaststätte „Neuhäusel“ bis zur Bockenheimer Heiligenkirche (eine kleine Kapelle auf dem Bockenheimer Berg) veranstaltet, wo ein großer Strohhaufen entzündet wurde. Gleiches wurde auch 1983 durchgeführt, wo man das 170-jährige Jubiläum feierte.

Fünf Jahre später feierte man erneut, denn das 175-jährige Jubiläum stand an. In diesem Jahr war die Kerwe das erste Mal auf dem Platz der Partnerschaft, einem Platz in Großbockenheim. Seitdem haben die Großbockenheimer wieder „ihre“ Kerwe. Dies ist die beste Lösung gewesen, denn man feiert jetzt die Bockenheimer Kerwe am Termin der Kleinbockenheimer Kerwe auf einem Platz in Großbockenheim.

Im Jahr 1992 war der damalige Burschenvater Oliver Trundt in Begleitung des Komitees mit Frack und Zylinder vor Gericht. Er war der Leser der „Kerweredd“ gewesen, einer Rede in pfälzischer Mundart, die nach dem Kerweumzug verlesen wird. Hierbei werden sowohl kritische als auch lustige Ereignisse des Gemeindelebens humorvoll verpackt und verkündet. Ein Artikel der Kerweredd 1992 handelte von einem Nachbarschaftsstreit. Trundt sagte, einer der Beteiligten hätte einen drei Meter hohen Zaun errichtet. Vor Gericht beharrte der Kläger darauf, dass der Zaun nur 1,80 Meter hoch sei. Burschenvater Trundt antwortete darauf, dass die Kerweredd humorvoll gemeint war und nicht Anspruch auf Wahrheit hat. Er wies auf einen der Verse der Kerweredd hin:

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“

Der vorsitzende Richter Dr. Müller fügte hinzu:

„Lügen darf man, soweit es nicht ehrenrührig ist.“

Der Kläger zog die Klage zurück und die Burschenschaft bekam so ein Grundsatzurteil zugesprochen, das sie dazu befähigt, ihre Kerweredd auch weiterhin zu halten.

1998 wurde Timo Konietzka im Alter von nur 18 Jahren zum Zunftmeister gewählt. Er blieb zehn Jahre im Amt und ist somit am längsten Burschenvater in der Vereinsgeschichte gewesen. In seiner Zeit bekam der Verein enormen Zuwachs.

Im Jahr 2008 wählte die Burschenschaft Sebastian Schulz zum Zunftmeister. Im selben Jahr wurde der „SchoppenRock“ veranstaltet. Eine Rockveranstaltung, die auch etwas Geld in die Vereinskasse bringen sollte. Schulz ist bis heute im Amt und ist somit Burschenvater im 200-jährigen Jubiläumsjahr 2013.

 

  1. Die Geschichte der Burschenschaft
  2. Was ist eigentlich eine Burschenschaft?
  3. Ist die Burschenschaft wirklich 1813 gegründet worden?
  4. Der Grund der Gründung
  5. Neue Statuten, neues Glück
  6. Die neuere Geschichte

 

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